Fastfood fürs Gehirn: Blinkist

Der Mythos, die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Menschen sei seit Beginn des “smarten” Zeitalters unter die eines Goldfisches gesunken, hält sich hartnäckig.1 Stichhaltige wissenschaftliche Belege für diesen Vergleich gibt es nicht. Zumal diese Aufmerksamkeitsspanne, die gern auf 8 Sekunden beziffert wird, nicht klar definiert ist.2 Handelt es sich dabei um die Dauer, für die wir in der Lage sind, unsere Konzentration einer Sache zu widmen? Entspräche dies der Wahrheit, wären Netflix-Marathons undenkbar. Und wie misst man eigentlich die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs?

Die Goldfisch-Theorie scheint daher sehr weit hergeholt, spielt aber auf eine durchaus relevante Problematik an: Durch die Vielzahl an digital und analog verfügbaren Informationen und Reizen, müssen sich Menschen genau überlegen, welchen Medien und Themen sie wie viel Zeit widmen möchten. Diese ist schließlich streng begrenzt und will daher mit Sorgfalt investiert werden.

Ein Lösungsansatz für diese Herausforderung bietet das Tool Blinkist unter dem Motto “Big ideas in small packages”. Die Gründer aus Berlin haben es sich zur Aufgabe gemacht, Inhalte bedeutender Sachbücher aufs Wesentliche zu reduzieren und die Kernaussagen in vergleichsweise winzigen Häppchen – sogenannten “Blinks” – zur Verfügung zu stellen. Nutzer sind so in der Lage, selbst dicke Wälzer in 15 bis 20 Minuten zu verschlingen. Im Wartezimmer der Arztpraxis, auf dem Weg zur Arbeit oder auch während der Hausarbeit. Denn: Die meisten Blinks werden auch als Audio-Hörbuch zur Verfügung gestellt.

Mundgerechte Wirtschafts- und Finanzsnacks

Im Hinblick auf die Themen Wirtschaft und Finanzen zeigen Studien, dass auch junge Menschen bei der Wissensbildung durchaus nach wie vor auf Texte setzen.3 Fraglich ist dabei, ob sie aus reinen Interessensgründen bereit sind, Sachbücher mit mehreren hundert Seiten zu lesen. Blinkist bietet aktuell etwa 160 Blinks zu Büchern aus dem Bereich Finanzwissen an. Darunter internationale Bestseller wie Kiyosakis “Rich Dad, Poor Dad”. Lowrys “Broke Millenial” richtet sich speziell an junge Menschen. Wegelins “Madame Moneypenny” adressiert Frauen und fordert sie dazu auf, sich nicht davor zu scheuen, Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Die Anzahl an Blinks zum Thema Wirtschaft ist sogar noch etwas höher.

Der Blog “Blinkist Magazine” veröffentlicht außerdem regelmäßig Buchtipps zu konkreten Themenfeldern. Auch hier finden sich die Themen Wirtschaft und Finanzen wieder – beispielsweise zum Thema So investierst du richtig – Buchtipps für Anfänger. Die sogenannten Book Lists erleichtern auf diese Weise den Einstieg in Gebiete, die für den Nutzer neuartig sind. Die Blinks durchdringen zwar kaum mehr als die Oberfläche der zusammengefassten Bücher, machen Inhalte jedoch greifbar und vermitteln genau das Wissen, das langfristig manifestiert werden soll. Wer nach einem Blink tiefer eintauchen will, kann sich immerhin sicher sein, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit lohnt, das gesamte Werk zu lesen.

Blinkist auf einen Blick

Das Angebot von Blinkist beläuft sich aktuell laut eigenen Angaben auf etwa 3.000 Buch-Zusammenfassungen, 2.000 davon sind in deutscher Sprache verfügbar (Stand: 14.11.2020).4 Jeden Monat kommen 30 weitere dazu. Etwa 85 % aller Blinks sind zudem als Audio-Inhalt verfügbar. Ein Abonnement ist ab rund 80 € pro Jahr erhältlich. Genutzt werden kann Blinkist als Apps oder über die Browser-Version.

Vorteile

  • Absolute Effizienz: Die prägnanten Zusammenfassungen verhelfen in kürzester Zeit zur Aneignung von Wissen verschiedenster Themengebiete
  • Hilfe bei der Vorauswahl von Büchern, die man vollständig lesen möchte
  • Lesen in seinen Alltag zu integrieren wird durch die kleinen “Häppchen” erleichtert: Täglich ein “Buch” zu lesen ist mit Blinkist absolut realistisch!
  • Durch die Audiowiedergabe können die Blinks auch passiv konsumiert werden

Nachteile

  • Detailinformationen gehen komplett verloren
  • Es ist verlockend zu glauben, man sei ausreichend informiert, obwohl man sich nur oberflächliches Wissen angeeignet hat
  • Wer bestimmt, welche die wesentlichen Kernaspekte eines Buches sind? Man verlässt sich hier auf die subjektive Meinung der Blinkist-Autoren

Insgesamt ist Blinkist so ein hilfreiches Tool, um sein Allgemeinwissen zu boosten und den Einstieg in neue und bisher schwer zugängliche Themengebiete erleichtern. Somit stellt es eine vielversprechende Möglichkeit dar, Menschen über praktisch alle Altersstufen hinweg zum Wissenserwerb unter anderem in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen zu motivieren.

Referenzen:

  1. Vgl. Miller (2016), The great goldfish attention span myth – and why it’s killing content marketing, hier abrufbar. Zuletzt abgerufen am 19.11.2020.
  2. Vgl. bspw. Littlefield (2019), No, You Don’t Have the Attention Span of a Goldfish, hier abrufbar. Zuletzt abgerufen am 19.11.2020.
  3.  Vgl. bspw. Stampfl (2019), Finanzbildung mit Fundament: Fehlanzeige – Auf welchen Wegen gelangen Jugendliche zu mehr Finanzwissen? Hrsg.: Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH.
  4. Vgl. Blinkist (2020), Welche/Wieviele Titel sind verfügbar? Hier abrufbar. Zuletzt abgerufen am 19.11.2020.

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